Gesang

Die Gutenberg Realschule Eltville hat seit ca. anderthalb Jahren einen Schwerpunkt im Fach Musik gebildet. Die Klassen 5 begannen im letzten Schuljahr als „Versuchskaninchen“ für ein in Hessen einzigartiges Projekt: Gesang als Schwerpunkt im
Musikunterricht.
Was ist darunter zu verstehen? Sollen die Kinder zu zukünftigen
Opernsängern ausgebildet werden? Geboren wurde die Idee dazu bei einem Besuch von Musikklassen bzw. Gesangsklassen an einem Heidelberger Gymnasium.
Dessen Musiklehrer, Dr. Schnitzer, war es leid, unmotivierte und brummende SchülerInnen beim Liedgesang erleben zu müssen. Kann das ein guter, sinnvoller Unterricht sein, bei dem Schüler wie Lehrer sich quälen? Kann das etwa im Sinne von Kunst oder
künstlerischer Ausbildung sein?

Dr. Schnitzer besuchte den amerikanischen Psychologen und Musiker Edwin Gordon, und dessen Theorie des Musiklernens – Hören, Sprechen und Sehen – schien ihm etwas phänomenal Aufregendes zu versprechen. Schüler lernen Musik zunächst über die eigene körperliche Wahrnehmung, d. h. der Körper, ja, selbst das Körpergewicht, die eigene Stimme werden zur Grundlage der musikalischen Wahrnehmung, dann des individuellen Ausdrucks. Am Ende erst steht das Sehen, also verstehen, das kognitive Lernen.

Mit der Übertragung dieses Ansatzes wurde eine neue Art des Singenlernens geschaffen und die Erfolge geben Dr. Schnitzer Recht. Seine Gesangsklassen sind mittlerweile der „Renner“ in der Schule und gehen bis in die Oberstufe hinein.

Die zwei Musiklehrerinnen der Gutenbergschule (Frau Nickel und Frau Mönch-Tegeder), die neben ihrer musikpädagogischen Ausbildung über eine qualifizierte Gesangsausbildung verfügen, waren begeistert. Doch wie sollten sie ein solches Projekt in
einer Realschule implementieren? Es bedeutet:
Ab Klasse 5 erhalten die Schüler wöchentlich drei Stunden Musik, also Gesang.
In Klasse 6 können sich die Schüler entscheiden, ob sie weiterhin das Singen als Schwerpunkt behalten wollen oder ob sie am herkömmlichen Regelunterricht teilnehmen wollen. Wählen sie den Schwerpunkt Singen, erhalten sie zwei Stunden wöchentlich Musikunterricht in der Gesangsklasse, darüber hinaus eine Stunde wöchentlich Stimmbildung in einer Kleingruppe von ca. 5 – 6 Schülern. Das bedeutet die individuelle Förderung der Schüler auf einem Niveau, wie es kaum in einem anderen Fach
existiert.
Mit der großen Unterstützung und Begeisterung von Schulleitung, Kollegium und Eltern hatten die Musiklehrerinnen gar nicht gerechnet. Vor allem aber die Schüler selbst verlangten nach einer Probezeit mehr von diesem „tollen“ Unterricht.
In der praktischen Umsetzung mussten aber viele Hürden genommen werden, um die personellen und sächlichen Voraussetzungen zu schaffen:
Es folgten Anträge im Kultusministerium, Schulamt, Schulkonferenz und Gesamtkonferenz, Umschreibung des Lehrplans Musik, personelle Besetzungsfragen, Kooperation mit der Jugendmusikschule Rheingau-Taunus-Kreis, Bewilligung von Mitteln durch den Förderverein der Schule und den Kreis etc. Hier haben viele Personen mit gutem Willen und viel Begeisterung dazu beigetragen, das Projekt ins Leben zu rufen und Wirklichkeit werden zu lassen:
Die Schulleitung, damals Herr Fentz, jetzt Herr Rogler, der Schulelternbeirat, der Förderverein der Gutenbergschule, Frau Krug (Schulamt), Frau Martin (Kultusministerium), Herr Landrat Röttgers, Herr Reinhardt von der Musikschule etc. Ihnen allen
sei herzlich für ihr Engagement gedankt.

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